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Den Welthospiztag gibt es seit dem Jahr 2005. Initiiert wurde er von der „worldwide hospice palliative care alliance”. Er wandert im Kalender, denn sein Datum ist immer der 2. Samstag im Oktober.

Regelmäßig an jedem 14. Oktober findet daneben - in bewusster zeitlicher Nähe - der deutsche Hospiztag statt.

Zwei Begriffe seien vorab erklärt: Hospiz bedeutet im Ursprung Herberge; Hospize sind heute Heime/ Häuser für sterbende Menschen. Nicht vergessen werden darf dabei aber, dass es auch viele ambulante Hospizvereine gibt, die Menschen im Zuhause oder in anderen Einrichtungen begleiten und unterstützen.

Der Begriff palliativ geht auf das Lateinische zurück und meint dort einen Mantel, bzw von einem Mantel umhüllt. Im modernen Kontext meint Palliativversorgung das Lindern von Leiden am Lebensende, das Bemühen, Lebensqualität herzustellen oder zu sichern und gerade nicht mehr um jeden Preis mit jeder denkbaren Therapie gegen eine Erkrankung (oder konkreter; den Tod) anzukämpfen.

In einem gewissen Sinn bedeutet das eine, wie das andere auch: den Tod als Teil des Lebens anzunehmen. Und dabei zu begleiten.
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Nun, warum aber auf unserer EUTB-Website auf den Welthospiztag und den deutschen Hospiztag hinweisen?

Dafür gibt es viele Gründe. Und es sind sehr gute:

  1. Hospizarbeit ist sehr oft ehrenamtliche Arbeit; dies gilt für die stationäre, aber mehr noch für die ambulante Hospizarbeit. Ehrenamt - das ist auch für uns in der EUTB ein so wichtiger Aspekt. Ohne ehrenamtlich Engagierte würden viele, die am Rande der Gesellschaft stehen, den Kontakt verlieren. Ohne ehrenamtlich Engagierte würde aber auch die Gesellschaft diejenigen übersehen, die am Rande stehen und nicht Schritt halten können.

  2. Hospizarbeit ist sehr eng mit einem Anspruch auf ein menschenwürdiges Leben verbunden. Dabei geht es - insbesondere auch im Bereich des palliative care - zwar um eine Entwicklung, die absehbar mit dem Tode enden wird. Wichtiger ist aber: es geht um die Schaffung/ Erhaltung eines menschenwürdigen Umfeldes in der allerletzten Phase des Lebens. Menschenwürde - nun, das ist ja auch eines der zentralen Themen in der Behindertenarbeit.

  3. Last not least ist ein wichtiger Aspekt in der Hospizarbeit auch das Miteinander mit den Angehörigen, die Zuwendung zu den Angehörigen, die Einbeziehung ihrer Wünsche und die Beachtung ihrer Möglichkeiten und Grenzen. Es geht darum, sie dabei zu unterstützen, den sterbenden Menschen zu unterstützen. Auch hier ist die Parallele zur EUTB greifbar, denn auch uns geht es darum, Angehörigen zu helfen, zu helfen. Und sie auch gerade dann zu unterstützen, wenn sie an ihre eigenen Grenzen geraten.

Es gibt also zahlreiche Parallelen zwischen beiden Angeboten: der Hospizarbeit und der EUTB.

Und es gibt noch ein wichtiges Argument, diesen Tag hier zu erwähnen: auch Menschen mit Behinderungen werden alt und sterben. Hier sind wir wieder bei dem alles umfassenden (ummantelnden?) Begriff der Menschenwürde. Dem menschenwürdigen Leben. Und dem menschenwürdigen Sterben. Auch für Behinderte.

Dazu gehört z.B. auch die rechtliche Vorsorge: durch Vollmacht oder Betreuungsverfügung. Insbesondere aber durch eine Patientenverfügung, die auch Menschen mit Behinderungen erstellen können - und erstellen sollten. Neuerdings gibt es hierzu Angebote von Patientenverfügungen in leichter Sprache.
Menschen mit Behinderungen erleben sich oft als den Ärzten ausgeliefert; nicht selten passiert es, dass sich Behinderte und chronisch Kranke nicht Ernst genommen fühlen - gerade von den Ärzten. Die Patientenverfügung bedeutet ein wenig Autonomie; ein in die Hand nehmen und in der Hand behalten der letzten Wünsche.

Die Patientenverfügung ist dabei wichtig für denjenigen, der sie erstellt und damit festlegt, wie er sich die letzten Behandlungen, die letzten Tage in seinem Leben wünscht. Sie ist auch wichtig für Familie und Freunde, die wissen müssen (und hoffentlich wollen), was der Angehörige sich wünscht - und was er nicht mehr will.

All dies sind schwierige Themen, gewiss. Im Hospiz und im Bereich der Palliativversorgung werden hier gesellschaftliche Ausrufezeichen gesetzt (die viele lieber ignorieren würden, weshalb ja gerade ein Ausrufezeichen sinnvoll ist): nämlich den Umgang mit dem Tod nicht zu verdrängen. Und sich vielmehr darauf zu konzentrieren, was man in der verrinnenden Zeit noch erleben kann. Letzte Wünsche erfüllen. Oder einander mit-menschlich zu begegnen. Oder so vieles mehr.

Der Welthospiztag wie der deutsche Hospiztag sind Tage, an denen sich die entsprechenden Einrichtungen, Organisationen und Vereine uns allen ins Bewusstsein rufen, dass es sie gibt, was sie machen - und wie wichtig ihre Arbeit ist. Und ein Tag wie dieser mag als Anlass dienen, um über die eigenen letzten Wünsche reden zu können. Oder die Angehörigen zu fragen, was diese sich denn wünschen würden, wenn sie es denn äußern könnten.

Denn...   ...sie können es.

Und am Ende geht das Ende jeden von uns an, egal ob mit Behinderung, oder ohne.

(KB)